Klaus Haberland (69) ist eine Art "VW Käfer" im Boot:

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Und er rudert und rudert und rudert ... - dreimal um den Äquator und kein Ende

Versprochen ist versprochen: in der Berichterstattungvom Flaggentag des LRV war zu lesen, dass da noch ein paar „spannendeGeschichten" nachfolgen. Zum Beispiel über Klaus Haberland (Pro Sport Berlin24), der bei der Veranstaltung im ehrwürdigen Bärensaal des Alten Stadthausesin der Mitte Berlins mit dem dritten Äquatorpreis und der dafür verliehenen DRV-Nadel in Gold geehrt worden war.

Dahinter standen sage und schreibe 120 296 Ruder-Kilometer – schon beim Lesen dieser Zahl tut einem der Hintern weh, schmerzen die Arme und Schenkel. 16 Ruderer, davon drei Frauen,weist die Statistik des DRV unter „3. Äquatorpreis“ aus. Neun sind MitgliederBerliner Vereine, Klaus Haberland ist als vorläufig letzter dazu gekommen.

An die 450 Namen verzeichnetdie Liste derer, die im Laufe der Jahre 40 077 Kilometer im Boot zurückgelegthaben – ein Drittel Berliner. Auch der erste Preisträger kam aus der damalsnoch geteilten Stadt. Günther Hartmann von der Ruder-Gemeinschaft Grünau nahm1972 den ersten vom Deutschen Rudersport-Verband der DDR gestifteten Äquatorpreisentgegen. Tatsächlich, der Äquatorpreis ist ein Kind der DDR. Erst 1976 folgtemit Turbine-Ruderer Hans Fuhrmann der zweite, ein weiterer Grünauer. Bis 1990stieg die Zahl der – welch Kuriosum der Geschichte – quasi eingemauertenErdball-Umrunder aus der DDR auf 26. Dann kam die Vereinigung und mit dieserübernahm die bis dato auf die Fahrtenwettbewerbe beschränkte Bundesrepublik denPreis, dessen Namensliste seitdem stetig und unaufhörlich gewachsen ist.

Und es ist – siehe oben – nicht beim einmaligen Rundum den Erdball geblieben. Beim LRV-Flaggentag am 16. Januar 2011 wurden nebenacht Ersterfüllern drei RuderInnen und Ruderer für die Zweitauflage und besagter Klaus Haberland für dendritten Äquatorpreis ausgezeichnet.

Klaus Haberland ist eigentlich ein Spätberufener. Erstmit 21, also im Jahre 1962, kam er zum Rudern. In Schöneweide aufgewachsen, saher im dortigen Freibad Oberspree als Badegast immer mal wieder Ruderbootevorziehen – das sah schnell, athletisch, ja majestätisch aus und der junge Manndachte sich, das solltest Du auch mal probieren. Es bedurfte aber erst einesArbeitskollegen im nahen Transformatorenwerk, wo Haberland lernte und alsIngenieur für Qualitätsmanagement tätig war, um den Gedanken Realität werden zulassen. Der nahm ihn mit vom Arbeitsplatz direkt an der Spree zum Bootshaus derBSG Post nach Wendenschloss – da hat er noch heute sein zweites Zuhause. „Am 15. Mai 1962 absolvierte ich meine ersten zwei Kilometer im Ruderboot“, erzählter, als sei es gestern gewesen. „Und dann hatte ich das Glück, dass zwei Kameraden einen dritten für ihre Spreewaldfahrt über Lübbenau und Beeskowsuchten, die bis heute meine Lieblingstour ist.“ Mal Steuermann, mal amRuderblatt – Haberland hatte „einen Heidenspaß dabei“ und wusste, „das ist meinDing“.

Er habe sich „wohl nicht ganz so dumm angestellt“, meinter rückblickend. Auch nicht bei den Regatten, die er schon im September seinesPremierenjahres mitfuhr, und auf Anhieb im Zweier ohne gewann. „Dass ein Frischling vorneweg fuhr, dass hat einige langjährige Fahrensleute hellhörig gemacht“, schmunzelt Haberland. Zwischendurch war er sogar mal Rennruderer, versuchte sich Mitte der 60er bei den Leichtgewichten im Einer undDoppelzweier. Dann aber kam ihm die Einberufung zur Armee in die Quere, die 18Monate ab November 1965 waren fast ruderfrei – und leistungssportlicheAmbitionen hatten sich erledigt. Von da an stand endgültig das Wanderrudern fürKlaus Haberland auf der Agenda oben – er wurde, bestätigt er lachend, zum„Kilometerfresser“. Ein bisschen verrückt müsse man sein, und Ehrgeiz gehöreauch dazu. „Wer steht schon in aller Herrgottsfrühe auf, fährt raus zum Verein,bereitet das Boot vor und geht dann ein paar Stunden in der Hoffnung aufPrachtwetter aufs Wasser?“ Dass es nicht so extrem viele sind, hat der imAugust seinen 70. feiernde Ruderenthusiast zum Beispiel bei der Partnersuchefür Frühfahrten festgestellt. Da blieb dann häufig doch nur der Einer. Schon in den ersten Jahren, als vom „Äquatorpreis“noch keine Rede war, legte Haberland eine Menge Kilometer zurück – weit über dem Üblichen.

Im Fahrtenwettbewerb des DRSV, der nur die Zeit vom 1.April bis 31. Oktober (DRV 1.1. bis 31.12.) umfasste, waren für Ruderer imreiferen Alter in etwa 1000 Kilometer zu erreichen, das schaffte er – mitAusnahme des Armeejahres 1966 – locker. 1968 etwa, erinnert er sich, waren es4500. So ging das Jahr für Jahr weiter, einstweilen gehört Haberland mit 47Erfüllungen des DRV-Fahrtenabzeichens zu den Top 20 in Deutschland, was diesesRanking angeht. Auch beim Äquatorpreis muss der Friedrichshainer (BoxhagenerPlatz) nur auf die richtige Gedächtnistaste drücken, und hat sofort die Datenparat: „Am 17. Juli 1972 war es so weit, da habe ihn den ersten bei einerMüggelfahrt komplett gemacht. Das wurde mit ein paar Bierchen und belegtenBrötchen gefeiert.“ Bis zum zweiten dauerte es formal länger, als es realablief - denn in der statistischenErfassung war zwischendurch einiges liegen geblieben, erst nachdem dienachgereichten Daten registriert waren, wurde 2008 nachträglich der zweiteÄquatorpreis – sprich die silberne Nadel – an Haberland verliehen. Da aber warer kilometermäßig schon gar nicht mehr so weit weg vom Gold des dritten – undder war am 25. November 2009 fällig.

Schaut man sich Haberlands Notizen an, ist Staunen fastzwangsläufig. Bei Zahlen wie diesen kein Wunder: 7258 km im Jahr 2001, 7339 (2002), 6152 (2003), 6237 (2004), 6298 (2005), 6206 (2006), 5005 (2007), 8022 (2008), 6010 (2009) in den folgenden. 2010 ist er nach längerer Krankheit etwaskürzer getreten und hat sich mit „nur“ 3820 Kilometern beschieden. Nimmt man2009, so hat Haberland da 128 Fahrten absolviert, davon 79 im Einer. Von 6010Kilometern hat er 3638 km als Solist bestritten. Und nun, geht er jetzt denvierten Äquatorpreis an? „Eher nicht“, sagt er ehrlich. „Denn bei 6000 km peranno bräuchte man ja dafür noch einmal sieben Jahre. Am Rudern habe ich nachwie vor jede Menge Spaß und werde davon nicht lassen, aber ob ich das noch malangehe?“ Allerdings, gibt er zu, der „Appetit kommt beim Essen und mein Appetitist der Ehrgeiz, der kitzelt“. Denn hat er schon immer gehabt, was sich z.B. inden 60er in solchen Tagesschilderungen ausdrückt: „Mittags bin ich nach demUnterricht an der Ingenieurschule in Wildau mit meiner 350er MZ nach Grünaugebraust, habe dort das Krad abgestellt, bin mit der Fähre nach Wendenschlossübergesetzt und zum Bootshaus gelaufen. Dort habe ich mein Boot fertig gemacht,bin im Einer rausgefahren. Als ich zurückkam, waren inzwischen die anderen vonder Arbeit da und mit denen bin ich dann abends im Mannschaftsboot nochmal aufsWasser.“ Ganz so heftig treibt er es heute nicht mehr.

Aber immerhin. „In der Freiluftsaison fahre ich oftdienstags raus ins Bootshaus, übernachte da, und dann geht es morgens früh umsieben bis mittags auf Wasser. Da sind noch nicht so viele Motorboote draußenund die Natur hat einen ganz besonderen Reiz. Danach wird man einfach einbisschen süchtig ...“ 2012 ist er 50 Jahre im Verein, der heute ProSport 24heißt. Und auch die 50. Fahrtenabzeichen-Erfüllung ist in Sicht. „Das sind meine nächsten Ziele“, sagt Klaus Haberland.

KLAUS WEISE

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